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Als in München Anfang des 16. Jahrhunderts die Pest wütete und die Menschen aus Angst vor der „schwarzen Seuche“ nicht mehr aus ihren Häusern gingen, war dies die Zunft der Fassmachern und Schäffler, die versuchten, mit einem Reigentanz den Leuten neuen Lebensmut zu geben. Mit Trommeln und Pfeifen zogen sie durch die Straßen Münchens, hielten vor den Häusern an und versuchten sich in frisch fröhlichen und aufmunternden Tänzen. Nach dem Abklingen der Pest gelobte man sich zum Dank, den Schäfflertanz alle sieben Jahre aufzuführen.schaeffler alle 290x230


Die Geschichte des Schäfflertanzes in Kolbermoor

In Kolbermoor wurde der Schäfflertanz erstmals 1886 aufgeführt. Gegen Ende des Jahres 1885 machte der damalige Gemeindeschreiber, ein gewisser Bohl, ein gebürtiger Münchner, bei einer Sitzung der KolbermoorerFaschingsgesellschaft den Vorschlag, statt den bisher üblichen Haberfeldtreiben und Bauernhochzeiten doch einmal den Münchner Schäfflertanz aufzuführen. Man nahm den Vorschlag mit Begeisterung auf und setzte sich umgehend mit den Münchner Schäfflern in Verbindung. Mit Unterstützung der Münchner Schäffler -Zunft wurde der Tanz einstudiert und man erwirkte vom damaligen Prinzregenten Luitpold von Bayern ein königliches Dekret, in dem die Erlaubnis erteilt wurde, den Schäfflertanz alle sieben Jahre aufzuführen. Noch im Fasching 1886 konnte der Tanz dann zum ersten Mal in Kolbermoor aufgeführt werden. 1893 wurde dann aus der Schäfflertanz Vereinigung der „Dramatische Club Immergrün“ gegründet, um die siebenjährigen Tanzpausen durch Theateraufführungen zu überbrücken. Da mit der zunehmenden Industrialisierung die Pflege des heimatlichen Brauchtums immer mehr verschwand, machte es sich der „Dramatische Club“ auch zur Aufgabe, das Heimatgut zu pflegen und altes Brauchtum zu schützen, dass daraus der „Gebirgstrachtenverein Immergrün“ wurde.

In der Zeit von 1886 bis 1914 konnte der Schäfflertanz alle sieben Jahre aufgeführt werden, bis diese Tradition durch die Wirren der beiden Weltkriege unterbrochen wurde. Zur Markterhebung Kolbermoors im Jahre 1936 wurde der Tanz außerhalb der Reihe aufgeführt. Seit 1949 konnte der Tanz dann turnusmäßig alle sieben Jahre stattfinden. Damit haben die Kolbermoorer Schäffler 2012 zum 15. Mal in Kolbermoor getanzt. Der nächste Schäfflertanz findet im Fasching 2019 statt. 


Der Tanz

Die Schäfflertanzgruppe besteht aus dem „Schäffler Meister“, 16 Tänzern, einem Fähnrich, zwei Fassträgern und einem Kronenhalter, sowie den Kasperln, die mit Ihren Späßen das Publikum erheitern. Musikalisch wird der Tanz von einer mindestens zehn Mann starken Blaskapelle begleitet. Zu den Klängen eines schneidigen Marsches ziehen die Tänzer am Tanzplatz ein und bilden einen Kreis. Der Reifenschwinger in der Mitte des Kreises begrüßt das Publikum, indem er seinen Hut abnimmt und die Tänzer senken zum Gruß ihre Bögen. Zum Takt eines „Schottisch“ beginnt der Auftanz. Darauf folgt die Laube, die schwierigste Figur, was Aufbau und Auflösung betrifft. Als dritte Figur bilden die Tänzer das Kreuz, das sie dann in vier Quadrillen auflösen.

Die darauf folgende Figur, die Krone, ist die optisch wohl wirkungsvollste und einer der Höhepunkte des Tanzes. Danach wird mit dem Fasslklopfen das Handwerk der Schäffler nachgeahmt, wobei die Tänzer im Takt des Klop-fers im Kreis gegeneinander marschieren und die so genannte Schlange tanzen.

Nun folgt der Reifenschwung, bei dem der „Schäffler Meister“ auf das Fass steigt, zwei gefüllte Schnapsgläser in den Reifen zum Takt eines flotten Galopps schwingt und den Auftraggeber des Tanzes mit einem „Trinkspruch“ hochleben lässt. Ebenso schwingt auch der Fasskasperl einen Reifen und ehrt den Auftraggeber mit einem lustigen Vers und einem dreifachen „Pfiffkas-Hoch“. Darauf folgt der Abmarsch und die Schäffler ziehen zum nächsten Tanzort.